Bevor es Abend wird

Stephanie Aeby, Bevor es Abend wirdStephanie Aeby, Bevor es Abend wird
Roman

KaMeRu Verlag, 2014
ca. 260 Seiten, broschiert
13 x 19,5 cm
ISBN 978-3-906082-32-5
E-Book-ISBN 978-3-906082-33-2

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„Im Alter kriegt man Krähenfüße um die Augen und Hühneraugen an den Füßen“, murmelt Klara Imfeld, als sie sich an einem denkwürdigen Abend im Spiegel betrachtet. Ihren Humor wird sie in nächster Zeit dringend brauchen, denn seit dem frühen Nachmittag ist sie nicht mehr fünfundvierzig, sondern eine Frau um die achtzig. Womit sie auf einen Schlag ohne Beruf, ohne persönliches Umfeld und auch ohne Krankenversicherung dasteht. Vom Äußeren ganz zu schweigen. Klara ahnt, dass ihre plötzliche Alterung einen tieferen Grund hat. Seit dem Unfalltod ihrer Tochter hatte sie jegliche Lebensfreude verloren und keine Zukunftsperspektiven mehr gesehen. Nun aber kann sie trotz körperlicher Einschränkungen und der Erkenntnis, dass Frauen in ihrem Alter für die Gesellschaft beinahe unsichtbar sind, das Leben wieder gelassen und zuversichtlich angehen. Dies verdankt sie unter anderem auch Eric Brand, der sie an jenem Nachmittag auf einer Parkbank fand und ein Freund wurde.

Klara umschifft die Klippen ihres noch ungewohnten Alltags mit Einfallsreichtum und einer Portion Selbstironie. Trotz umsichtiger Vorkehrungen und einiger Notlügen bleibt ihr „Verschwinden“ nicht unbemerkt. Ihre junge Nachbarin Irene macht sich Sorgen, als in Klaras Haus von einem Tag auf den anderen eine alte Frau wohnt, die dazu noch regelmäßig Besuch von einem unbekannten Mann erhält. Sicherheitshalber informiert sie die Polizei, worauf der Beamte Bariello Klara einen Besuch abstattet. Mit allerlei Tricks schafft sie es, ihn wieder loszuwerden, doch Bariello ahnt, dass er von der alten Dame an der Nase herumgeführt wird. Bei seinen Nachforschungen trifft er eine Journalistin wieder, die es ihm schon seit längerer Zeit angetan hat. Auch Klara entwickelt romantische Gefühle, behält diese aber vorerst für sich. Nur Kater Arnie bleibt ob all der Aufregung gelassen, solange seine frühzeitig ergraute Mitbewohnerin den Futternapf weiterhin pünktlich füllt und er bis zu seinem hoffentlich noch fernen Ableben Herr über Haus und Garten bleibt.

Eine lebensbejahende Geschichte über Freundschaft, Verlust, Liebe und das kleine Glück, das sich in jedem Altersabschnitt finden lässt. Liebenswerte Figuren, viel Sprachwitz und pointierte Kritik am Altersbild unserer Gesellschaft machen diesen Roman zum reinen Lesevergnügen.